Subaru Garage Ebneter AG, 9055 Bühler (Schweiz)

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Viskobremse    Lamellenkupplung    LSD - Sperrdiff.     Variable Kraftverteilung     DCCD (STI)
Symmetrical AWD, das Antriebssystem von Subaru
Einleitung

Der Subaru Allradantrieb gehört zu den aufwändigen unter den AWD-Systemen. Die von Subaru immer wieder propagierte Einzigartigkeit ist keine pure Marketingaussage, sondern basiert auf belegbaren Fakten. Die Kombination aus tiefem Schwerpunkt und einer vollkommen ausgeglichenen Gewichtsverteilung zwischen links und rechts, sowie eines durchgängig linearen Kraftflusses von vorne nach hinten, sind die technischen Eckpunkte des Symmetrical AWD. Getriebe und Zentraldifferential sind in einem Bauteil integriert.

Die Gesetze der Physik kann das Systen nicht überwinden, jedoch kann ein Subaru noch rutschige Steigungen hinauffahren, an denen das Fahrzeug im Stand nicht mehr gehalten werden kann, sondern mit blockierenden Rädern abrutscht. Dies können wir Ihnen bei einer winterlichen Probefahrt gerne live beweisen.
1. Verteilergetriebe = Zentraldifferenzial mit Viscobremse (man. Getriebe)
Modelle mit Handschaltung

Der Boxermotor (A) gibt seine Kraft über die Kurbelwelle an das Getriebe (B) weiter. Dabei ist die Kurbelwelle bauartbedingt bereits in Längsrichtung angeordnet. Bei den meisten anderen Antrieben ist an dieser Stelle bereits eine Umlenkung notwendig. Das Getriebe (mit Reduktion "Dual Range", bis 2009) speist das Verteilergetriebe (C), welches die Kraft zwischen Vorder- und Hinterachse zu je 50% aufteilt.

   Getriebe mit Handschaltung (Subaru)

Das Verteilergetriebe (Zentraldifferenzial hier mit Viscosperre) ist im Schaltgetriebe integriert. An der Hinterache sitzt das Hinterachsdifferenzial (E), welches die Antriebsenergie auf die Hinterräder verteilt. Bei manchen Modellen ist in diesem Bauteil das LSD (Limited Slip Differential), ein Sperrdifferenzial mit Viscosperre integriert (Beschreibung siehe unten).


1. Technische Ausführungen: Sperrdifferenzial mit Viscobremse

1.1. Zusammenfassung
  • Aussenverzahnte Lamellen sind im Gehäuse verankert.
  • Innenverzahnte Lamellen sind auf der Antriebswelle verankert.
  • Die Kraftübertragung erfolgt durch Scherwirkung der Silikonflüssigkeit
    zwischen den Schlitzen und Löchern in den Lamellen.


1.2. Detailbeschreibung

Das Zentraldifferenzial (C) besteht aus einem Satz Kegelräder und einer Viskosekupplung. Es weist die beiden folgenden Funktionen auf: Verteilung des Motordrehmoments an die Vorderrad- und Hinterrad-Antriebswellen und Absorbierung der Differenz in der Drehgeschwindigkeit zwischen den Vorder- und Hinterrädern. Die Viskosekupplung begrenzt die Differenzialaktion des Kegelradsatzes, wenn eines der Vorder- oder Hinterräder durchdreht, sodass das entsprechende Drehmoment an die Räder der jeweils anderen Achse übertragen wird, um geeignete Traktion sicherzustellen.


1.3. Komponenten

Die Viskosekupplung besteht aus einer Anzahl von abwechselnd angeordneten Innen- und Aussenlamellen und einem eingefülltem Luft/Silikonöl-Gemisch. Die inneren Lamellen (silberfarbig) sind formschlüssig an der Innenseite mit dem Keilwellenprofil des externen Achswellen-Kegelrades (rechts) verbunden, wogegen die Aussenlamellen (rot) am Umfang in den inneren Keilnuten des mittleren Differenzials sitzen. Die Aussenlamellen werden von Distanzringen in richtigem Abstand gehalten. Zwischen den Innenlamellen gibt es keine Distanzringe, sodass sie sich leicht in Axialrichtung bewegen können.


1.4. Drehmomentübertragung

Wenn Drehzahlunterschiede zwischen dem mittleren Differenzialgehäuse und dem Achswellen-Kegelrad (hinten) auftreten, baut das Silikonöl Scherkräfte zwischen den Aussen- und Innenlamellen auf. Diese Scherkräfte bewirken die Übertragung eines Drehmoments vom Differenzialgehäuse auf das Achswellen-Kegelrad (hinten).

Je grösser der Drehzahlunterschied zwischen Differenzialgehäuse und Achswellen-Kegelrad, desto grösser die Scherkraft des Silikonöls. Je stärker die Drehzahlunterschiede sind, desto grösser wird die Sperrwirkung.

Demnächst zeigen wir hier ein neues Bild

Bei andauernder Ausgleichswirkung erwärmt sich das Silikonöl und dehnt such entsprechend aus. Das Öl in der Viskosekupplung expandiert und komprimiert die Innenluft, um direkten Kontakt zwischen den Lamellen oder Nicht-Viskosebetrieb zu verursachen. Hierdurch wird der Drehzahlunterschied zwischen dem mittleren Differenzialgehäuse und dem Achswellen-Kegelrad (hinten) beseitigt, was gleich bedeutend mit einem starren Kraftschluss ist. Der Innendruck und die Temperatur sinken ab. Die Viskosekupplung kehrt danach zum normalen Betriebszustand zurück. Dieser Vorgang geschieht innerhalb von Zehntelsekunden und wird vom Fahrer nicht bemerkt.

2. Verteilergetriebe = Zentraldifferenzial mit Lamellenkupplung / -sperre
Modelle mit Automatikgetriebe

Die Anordnung der Komponenten ist genau gleich wie beim Schaltgetriebe, jedoch wird hier das  Zentraldifferenzial (C) mit einer Oelbadkupplung kombiniert. Manche Modelle verfügen über eine elektronische Fahrdynamikregelung, bei Subaru VDC (Vehicle Dynamics Control) genannt. Die VDC stabilisiert das Fahrzeug zusätzlich durch gezielte Bremseingriffe.

Abbildung: Differnzial einer Subaru Automatikversion, ohne Viscosperre

2.1. Automatikgetriebe mit optimierter Variable Torque Distribution (VTD)
      und Vehicle Dynamics Control (VDC, das Subaru-eigene ESP)

Neu entwickeltes Fünfgang-Automatikgetriebe mit VTD (siehe unten): Über einen Planetenradsatz kann die Lamellensperre das Antriebsmoment für die Vorder- und Hinterachse in einem relativ grossen Bereich verändern. Deshalb eignet sich das Automatikgetriebe mit VTD besonders für Fahrzeuge mit der Fahrdynamikregelung Vehicle Dynamics Control, denn dessen Steuergerät kommuniziert mit dem Getriebesteuergerät. Erkennt das Steuergerät für die Vehicle Dynamics Control ein Unter- oder Übersteuerverhalten des Fahrzeugs, sendet es entsprechende Informationen zum Getriebesteuergerät. Dieses reduziert über die Regelung der Lamellensperre das Antriebsmoment der instabilen Achse.

Über dieses System verfügen alle Legacy / Outback 3.0 ab Modelljahr 2004.

2.2. Aufbau und Funktion der Lamellensperre

Das Ausgangsdrehmoment vom Getriebe zum Planetenradsatz wird auf das Primärsonnenrad übertragen, das seinerseits die Planetenräder antreibt. Diese befinden sich in kraftschlüssiger Verbindung mit dem Planetenradträger, der mit dem Abtriebszahnrad zur Vorderachse verbunden ist. Die hinteren Planetenräder treiben über das Sekundärsonnenrad die Abtriebswelle zur Hinterachse an. Die Verteilung der Antriebskraft zur Vorder- und Hinterachse erfolgt im Endabtrieb. Die Lamellensperre sperrt bei auftretenden Drehzahlunterschieden zwischen Vorder- und Hinterachse den Planetenradsatz. Die normale Drehmomentverteilung (36:64 Prozent) kann durch die Lamellensperre stufenlos geändert werden. Dabei richtet sich der Sperrgrad nach der Höhe der Drehzahldifferenzen und kann bei sehr hohen Drehzahlunterschieden 100 Prozent betragen. Bei voll gesperrten Planetenradsatz entfallen 60 Prozent des Antriebsdrehmoments auf die Vorderachse und 40 Prozent auf die Hinterachse.


2.3. Aufbau und Funktion der Lamellenkupplung


Die in einem Ölbad laufende Lamellenkupplung besteht aus abwechselnd angeordneten Aussen- und Innenlamellen. Die Assenlamellen (Stahllamellen) sind kraftschlüssig mit dem Planetenradträger verbunden. Die Innenlamellen (Reiblamellen) sitzen auf dem Lamellenträger der kraftschlüssig mit der Abtriebswelle der Hinterachse verbunden ist. Der im Endabtriebsgehäuse untergebrachte Kolben wird hydraulisch betätigt. Der am Kolben anliegende Öldruck wird über ein kennfeldgesteuertes Lastmagnetventil beeinflusst, das getaktete Signale vom Getriebesteuergerät erhält. Die wichtigsten Eingangssignale für das Automatiksteuergerät zur Regelung der Sperre sind die Drehzahlsignale der Geschwindigkeitssensoren 1 und 2 und die Eingangsinformationen vom Steuergerät der Fahrdynamikregelung. Dadurch erkennt die Elektronik die Last des Fahrzeuges und eventuell auftretende Drehzahldifferenzen zwischen den beiden Achsen. Auf der Basis dieser Informationen berechnet das Steuergerät für jeden Fahrzustand den optimalen Öldruck am Kolben der Lamellenkupplung (Allradkupplung): Je höher der Druck ist, der auf das Lamellenpaket wirkt, desto grösser ist der Anpressdruck des Kolbens, desto grösser ist die Antriebskraftverteilung zur Hinterachse. (Quelle: subaru-presse.de)
2.4. Active Torq Split AWD

Dieses computergestützte, elektronische System wurde speziell für Allradantriebe mit Automatikgetrieben entwickelt. Es transferiert Leistung von den durchdrehenden Rädern, zu den Rädern, die Haftung haben. Subaru hat seit 1981 Erfahrung in der Entwicklung elektronisch geregelter Allradantriebe. Seitdem hat Subaru einen reichen Erfahrungsschatz in dieser Technologie angesammelt, was dazu geführt hat, dass sie die präzisesten AWD Einstellungen in der Automobilindustrie erreicht haben. Das „Active Torque Split“ System (Aktive Drehmomentverteilung) kontrolliert auf elektronischem Weg den Hydraulikdruck im hinteren Mehrscheiben Verteilergetriebe (MPT). Der Rechner bezieht auch Informationen vom Automatikgetriebe mit in die Berechnung ein. Er ermittelt Fahrstufe, Geschwindigkeit, Rotationsdifferenzen zwischen den Vorder- und Hinterrädern und die Gaspedalposition. Mit diesen Informationen ermittelt der Rechner die optimale Kraftverteilung zu den Rädern, unter Berücksichtigung der Fahrbedingungen. Im Normalbetrieb teilt das System die Leistung zu 60 / 40 zwischen Vorder- und Hinterachse.


2.5. VTD - Variable Torque Distribution

Das fortschrittlichste System für Automatikgetriebe ist das Variable Torque Distribution System (VTD) mit variabler Drehmomentverteilung. Das System besteht aus einem Mittendifferential mit variabler Drehmomentverteilung, das mit einem elektronisch kontrollierten LSD (Achs-Sperrdifferential zwischen links und rechts) gekoppelt ist und das Drehmoment normalerweise im Verhältnis 45:55 zwischen Vorder- und Hinterrädern verteilt. Damit sorgt diese Technologie für die optimale Balance zwischen Agilität und Stabilität und liefert gleichzeitig ein sportliches Fahrerlebnis. Dabei ist das System in Kombination mit dem Automatikgetriebe aber auf den alltäglichen Einsatz und normale Fahrbedingungen ausgelegt. Aus diesem Grund bietet Subaru die Fahrdynamikregelung Vehicle Dynamics Control (VDC) mit Schubabschaltung und Bremsüberwachung für alle Automatik-Fahrzeuge mit VTD an. Das VDC-System reduziert das Drehmoment, bremst einzelne Räder gezielt ab, verhindert Querbeschleunigungen und steigert die Fahrstabilität auf ein hohes Niveau.

Auf Basis des jeweiligen Systems zur Drehmomentverteilung passt Subaru die Vorder- und Hinterachsdifferentiale sowie Fahrwerksabstimmungen jedem Modell systematisch an.



3. Beispiele der variablen Kraftverteilung - Modelle 2010


Jedes Modell hat seine eigene Konfiguration, deshalb sind die Funktonsweisen auch unterschiedlich. Abhängig vom Motor, Schalt- oder Automatikgetriebe und Modell, sind verschiedene Komponenten für die Kraftverteilung verbaut. Alle Modelle serienmässig mit VDC.

Schweizerische Modelle
(exemplarisch für Legacy / Outback)
Kraftverteilung
vorne / hinten
Normalbetrieb
Kraftverteilung
vorne /hinten
variabel

2.0 / 2.5i mit manuellem 6-Gang Schaltgetriebe: Allradantrieb permanent, Kegelraddifferential mit Viscosperre im Mittendifferential

50 / 50
bis 98 / 2
respektiv
bis 2 / 98
2.5i mit CVT Automat: Allradantrieb permanent, ohne Mitteldifferential, elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung (Ölbad).  Präventive Zuschaltung, Beispiel: Abhängig vom Lenkwinkel und der Gaspedalstellung Kraftverteilung nach hinten. Das System ermittelt Fahrsituationen bei denen Schlupf auftreten könnte und reagiert vor Auftreten von Schlupf. Bei auftretenden Rotationsdifferenzen vorne/hinten regelt das System ebenfalls.
100 / 0
bis 50 / 50
2.5i Turbo / 3.6R mit 5-Stufen Wandlerautomat: Allradantrieb permanent. Elektrisch geregelte, hydraulische Lamellensperre, VDC ersetzt Hinterachsdifferential (LSD) durch Bremseingriffe.
36 / 64
bis 50 / 50


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4. LSD Limited Slip Differential - (limitiertes Sperrdifferenzial)

Manche Subaru Modelle haben an der Hinterachse ein begrenztes Sperrdifferenzial. Dieses technisch ausgefeilte Bauteil regelt proaktiv die
Drehmomentverteilung zwischen den Rädern einer Achse und limitiert dadurch das Durchdrehen der Räder. Sogar eine Viscosperre ist in diesem kompakten Getriebe noch integriert. Das LSD verbessert die Fahrstabilität nicht nur auf rutschigem Untergrund. Es ist vollständig in das Antriebskonzept eingebunden.


4.1. Detailbeschreibung
Helical LSD

Grundmerkmal des Helical LSD ist die Schraubenverzahnung (engl. helical), deren prinzipbedingte Reibung und deren zusätzliche Kräfte (wegen des Flankenwinkels der Verzahnung) zu Gegenkräften am Gehäuse führen und an den Kontaktstellen zusätzliche Reibung verursachen. Das Helical LSD gehört zur Kategorie der drehmomentfühlenden, so genannten Torsen-Differenziale (Torsen = TORque SENsing).

Die Sperrwirkung wird durch die Drehzahldifferenz hervorgerufen und die Sperre versucht, die Drehzahldifferenz klein zu halten. Die Sperrwirkung tritt erst ein, wenn eine Drehzahldifferenz auftritt. Beim Anfahren auf unterschiedlich griffiger Fahrbahn muss erst einmal ein Rad durchdrehen, bevor die Sperre das Antriebsmoment auf das Rad mit guter Bodenhaftung umverteilt. Beim Einfahren einer Kurve unter Last (mit Antriebsmoment, Fuss auf dem Gas) erlaubt die Sperre zunächst eine Ausgleichsbewegung der Räder, mit steigender Drehzahldifferenz wird allerdings Moment auf das kurveninnere Rad umverteilt. Die Reibwirkung entsteht durch Reibung am bzw. im Gehäuse, durch Reiblamellen oder durch Reibung in gleitenden Gewinden. Sie beruht auf den Gesetzen der Coulombschen Reibung, d.h. die Sperrwirkung ist unabhängig von der Drehzahldifferenz. So lange Antriebsleistung übertragen wird, sperrt das Helical LSD. Auch bei weiten Kurven führt das dazu, dass das Differenzial das Fahrzeug wieder auf Geradeaus-Kurs bringen will. Das Sperrdifferenzial fördert in diesem Fahrzustand ein Untersteuern. (Quelle subaru-presse.de).

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5. WRX STI mit DCCD (Driver's Control Centre Differential)

Mit dem DCCD (derzeit nur für WRX STI verfügbar) kann der Fahrer die Lastverteilung von vorne nach hinten mittels eines Drehrädchens in der Mittelkonsole flexibel einstellen, je nach gewünschter Fahreigenschaft. Das DCCD variiert mit einem elektromagnetischen und einem mechanischen Schlupfbegrenzungsdifferenzial die Kraftverteilung von 41:59 bis 50:50. Dazu registrieren verschiedene Sensoren (u.a. ein Lenkwinkelsensor) die voraussehbare Kurvenlinie, die der Fahrer wählt.

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